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Mittwoch, 4. November 2009

Hoffnung

Hoffnung ist, wenn du dem Gegenüber die Freiheit läßt zu tun und zu lassen, was immer es will und wünscht und doch diese Sehnsucht in dir trägst, sein Wollen und Wünschen wäre mit den deinigen in Teilen identisch und ab und an auf dich bezogen.

Wenn dies nicht der Fall ist, dann spricht dies weder gegen diese Form von Freiheit noch gegen die Berechtigung deiner Sehnsüchte, sondern sagt dir lediglich, dass du diesmal Hoffnung mit Illussion verwechselt hast.

Dafür mag es gute Gründe gegeben haben. Doch, sobald du diese erkannt hast, solltest du dich aufmachen und neue Wege beschreiten. Hoffnung nährt, Illussion frißt dich auf.

Sonntag, 11. Oktober 2009

Sonntägliches

Ich kam als auf Frau auf die Welt und mein Opa meinte: "Scheiß drauf! Ein Teil der Welt liegt dir zu Füßen, den anderen Teil musst dir halt erobern wie ein Mann!" Ich glaub, so fing es an.

Mittwoch, 16. September 2009

„… Opfer ist keine Liebe …“

„Aber, ich sage es Dir jetzt und möchte damit ernst genommen werden: Es ist nicht Deine Aufgabe, für mich zu sorgen. Ich möchte mir die Chance einräumen, mit Hilfe anderer Männer von weiblicher Unterstützung, auch von Deiner, unabhängiger zu werden. Ich will es wirklich, weil ich leben und bei Vernunft bleiben will.
Meine Aufgabe ist, für mich sorgen zu lernen, und dafür brauche ich Dich als Gegenüber, eine Frau, die auch ungehorsam sein und sich verweigern kann. Wenn ich lerne, für mich selbst zu sorgen, dann werde ich Dich mit einem liebevollen Blick im Auge haben und auf Dein Wohlergehen achten können. Wenn ich weiterhin verwöhnt werde, gelingt mir das nicht.

Wärest Du freier vom Ich-Ideal des Mich-Umsorgens, dann würdest Du manches, was nicht erbeten ist, nicht geben und Deine Angelegenheiten besorgen. Dann könnte ich auf Dich zugehen. Meine Erfahrung ist, dass ich mich spüre, wenn Du mich forderst, belastest, dass ich dann beginne , mich ernst zu nehmen und meine Dinge anzupacken. Darum will ich nicht geschont werden, nicht besorgt und nicht bedrängt mit dieser Sorge. Es tut mir am besten, wenn Du Deinen Weg gehst, ohne auf mich zu schauen, ob ich nun hinter oder vor Dir gehe.“


Aus: Vorwort von Wilfried Wieck in „Ihm zuliebe?“ von Irmgard Hülsemann



Oh, da sagt ein Mann recht kluge Worte *lächel

Freitag, 4. September 2009

Tütü

Badewanne, Sahara, Autowaschstrasse, Leuchtrakete, Tütü



Eine Autowaschstrasse in der Sahara erscheint mir so sinnig wie ein mitternächtliches Schaumbad im Tütü in einer Badewanne auf einer durch Leuchtraketen erhellten Lichtung mitten im Bayerischen Wald.

Donnerstag, 3. September 2009

Wal

Taschenspiegel, Blauwal, Cafeteria, Kellnerin, Vestibül


Noch nicht ganz wach schlurft der Wal durchs Vestibül der Cafeteria und verschlingt dabei aus Versehn die Kellnerin zum Frühstück. Sich erinnernd, dass er doch eigentlich Vegetarier, gibt er peinlich berührt deren Taschenspiegel rülpsend wieder von sich.

Montag, 31. August 2009

Streuobstwiese

Feuerwehrschlauch, Zitruspresse, Streuobstwiese, Kabelbinder, Abendessen



Mit dem Kabelbinder wird ein Stück Feuerwehrschlauch an den Akku-Staubsauger gebunden. Ab damit auf die Streuobstwiese und ran an den Mirabellenbaum. Dann braucht es keine Zitruspresse mehr, die Matchpampe ist im Saugerbeutel. Nur noch durch ein Sieb pressen und wir haben ein gesunde Grundlage für ein Abendessen alá Jonathan. Aber nur, wenn Feuerwehrschlauch und Kabelbinder auch wirklich aus wieder nachwachsenden Rohstoffen hergestellt wurden!



Streuobstwiese

Seit Monaten schon nervte sie ihn mit ihrem Bitten und Betteln von wegen Sommerurlaub auf dem Campingplatz. Er hasste Camping. Allein die Vorstellung seinen, wenn auch etwas in die Jahre gekommenen, Luxuskörper diesen Strapazen des rein und raus Kriechens aus dem Zelt auszusetzen, brachte ihn zum Schaudern. Aber sie hörte einfach nicht auf.

Gerade jetzt eben wieder. Er stand in der Küche und machte sich vor dem Abendessen noch einen frischen Saft aus der Zitruspresse, da kam sie nackert aus dem Bad gehuscht und flötete ihn mit ihrer Kleinmädchenstimme an:

„Schatzi, du hast doch jetzt eine Woche frei. Könnten wir da nicht mit Hannelore und Uwe zusammen an die See fahren. Die beiden würden uns auch ihr altes Zelt zur Verfügung stellen. Wir könnten schwimmen, in der Sonne liegen und einfach die reine, pure Natur genießen. Schatzilein, das würde dir bestimmt auch Spaß machen!“

„Spaß!? Hör mal, Kleines, wie oft soll ich es dir noch verklickern: Ich hasse Camping. Die ganzen Umstände und das verdammte Krabbelzeug überall. Ich will nicht. Punkt.“

„Aber, Schatzilein, die Krabbeltiere machen dir doch gar nix. Und wenn, dann gibt es doch Insektenspray. Aber, das braucht man eigentlich gar nicht, die kleinen Tierchen tun wirklich nichts. Ist doch alles nur natürliche Natur. Och, bitte, bitte, bitte, Schatzileinchen!“

So ging das in einer Tour. Er hatte es satt, einfach satt. Als sie so vor ihm stand und immer wieder auf die gleichen Argumente zurück griff, fasste er einen Entschluss. Er würde ihr diese Idee ein für alle mal austreiben.

In einer etwas anderen Tonlage sagte er:

„Bleib hier stehen. Mach den Mund auf!“

Er schob ihr eine der ausgedrückten Zitronenhälften in den Mund.

„Mach die Augen zu und warte!“

Er ging in den Keller, wo er neben anderem Krusch auch einen langen, alten Feuerwehrschlauch liegen hatte. Nahm diesen und eine Handvoll Kabelbinder. Zurück in der Küche schnürte er sie, unbekleidet wie sie war, mit Schlauch und Binder zu einem feinen Paket zusammen, so dass sie sich kaum noch rühren konnte. Warf sie sich über die Schulter und trug sie hinaus auf die Streuobstwiese hinterm Haus. Dort legte er sie in eine Mulde zwischen den Bäumen.

„So, mein Kleines. Hier bleibst du jetzt mal für eine lange Weile liegen. Ich ruf mal Hans und Werner an, die sollen noch ein paar Flaschen Bier mitbringen. Wir bekommen das mit dem Abendessen vor der Fußballübertragung schon alleine hin. Du kannst dich ja in der Zwischenzeit mit deinen niedlichen Krabbelfreunden, den Ameisen, Spinnen und Käferchen vergnügen. Die werden bestimmt nett und anregend mit dir plaudern. Auch die Wespen und Bienen an den Mirabellen über dir. Die Naschen nur und wollen höchstens freundlich mit dir teilen. Ist ja alles nur natürliche Natur hier. Wie auf nem multikulturellen Campingplatz, quasi. Also viel Spaß euch allen!“

Sprach´s und ging kichernd zurück zum Haus:

„Morgen früh dürfte das Thema Camping dann wohl für die nächste Zeit beendet sein!“

Fingerübungen

Keine Zeit zum Geschichtenschreiben dieses Wochenende, deshalb nur die Fingerübungen :


30.08.2009

Wintergerste, Pilotensitz, Efeu, Sommernacht, lesbisch

In einer lauen Sommernacht träumte der launische Efeu von der lieblich lesbischen Wintergerste und rank sich in Entzückung schwelgend dabei besitzergreifend um den vom letzten Absturz noch auf dem Feld herum liegenden Pilotensitz.


29.08.2009

Glasscheibe, Tischdecke, Reservekanister, Korallenriff, Sprungschanze.

Mit dem neuen Reservekanister, voll von frischem Apfelmost für die Liebste, durchschwamm er das Korallenriff, stürzte sich die Sprungschanze hinunter, bestellte brav die von ihm beim letzten Herrenabend zerbrochene neue Glasscheibe und vergaß doch die Tischdecke für das Picknick einzupacken. Sie war sauer. Auch ein Held schwächelt ab und an.

Sonntag, 30. August 2009

Gedöhns

Manchmal und immer öfter widert mich das ganze Sex-Gedöhns um mich drum herum einfach nur noch an.

Dann träum ich von sexbefreiten Köpfen und ebensolchen Räumen und Gesprächen.

Ich will Spaß und Lachen und Sinnlichkeiten fernab von all diesen verquerten Riten und Regeln und Starrheiten.

Ich will in Lust am und auf den ganzen Menschen schwelgen.

Ich will Achtsamkeit und Freundschaft, quirliges Leben und Wachsen in Vielfalt und Einzigartigkeit.

Ich will, dass wir uns die Köpfe heiß reden und schreiben über Götter und Welten und gemeinsames geistiges und körperliches Auspowern ohne gleich in der Kiste, am Kreuz oder vorm Fernseher zu landen.

Ich will ein lebendiges Miteinander, Lieben ohne Ketten und kleinkarierten Einschränkungen, ohne all den sexistischen Mist aus der Altvorderenschublade.

Ich will verrücktes Tun und kreatives Sein, Spontaneität und kicherndes Anderssein.



Ich bin zu alt für all diesen Schubladenmist. Der Ernst des Lebens soll sich mit der Anna aus der Mottenkiste zusammentun und weiter vor sich hindösen.

Mich interessieren keine Äußerlichkeiten, ich will in Innerlichkeiten staunend und kichernd spazieren gehen.

Ich will im Kopf und in der Seele gefickt werden, das andere besorg ich mir schon selbst, da besteht kein Mangel.

Sex als Zugabe, als Salz in der Suppe – ja klar! Als einziger Fokus aufs Leben – nein danke!



Ach, Madame träumt?

Nöh, Madame lässt Träume real werden!

Samstag, 29. August 2009

Aus dem Frauenalltag

28.08.2009

Kokain, Eierschalen, Kondensmilch, Ölwechsel, Birkenstocksandalen



Logik

„Kommst du mit zur Autowerkstatt? Ich will einen Ölwechsel machen lassen.“

„Braucht das Auto eigentlich unbedingt Öl, kann man da nicht auch was anderes nehmen? Zum Beispiel Kondensmilch, die hat doch auch genug Fett.“

„Sag mal, spinnst du?! Rauchst du irgendwas Komisches? Ziehst du dir Kokain rein? Was hat denn Öl mit Dosenmilch zu tun?“

„Na ja, ich weiß ja nicht. Gestern Abend habe ich einen Bericht gesehen, in dem wurde gezeigt, dass man demnächst aus Eierschalen einen Lederersatz herstellen kann. Also, zum Beispiel die Sohlen für die Birkenstocksandalen. Also dachte ich…“

„Ne, bleib zuhause und mach lieber was am Schreibtisch. Sowas verkrafte ich heute Morgen nicht, Liebes“

„Okay Schatz, dann geh du Mammut jagen und ich kümmere mich um den Rest. Hab dich lieb!“










27.08.2009

8o cm Seil, U-Bahnstation, Kontrolleur, Kaugummi, Croissant



So ein lehrreicher Tag.

Dieser Tag fing einfach völlig falsch an. Frühmorgens den Wecker ausgestellt um noch ein paar Minütchen zu schlafen und dann nach einer Stunde entsetzt aufgewacht. Durchs Bad, die Haare und in die wahllos aus dem Schrank gezerrten Klamotten gehetzt. Natürlich war da kein Croissant mehr vom gestrigen Abend im Brotkorb, da irgend jemand ihrer Mitbewohner nächtens noch mal egoistisch zugeschlagen hatte. Also ohne Frühstück aus dem Haus.

An der U-Bahnstation ein streikender Automat, der sich weigerte ihren Schein anzunehmen und dann, nach der Geldwechselei beim grummelnden Bäcker, fuhr die Bahn natürlich vor ihrer Nase davon. Rummarschieren auf dem Bahnsteig, telefonieren mit dem Büro, die Verspätung ankündigend, und mit dem Absatz dabei einen Kaugummi eingesammelt.

Endlich in der Bahn sitzend und mit Taschentuch am Schuh rumfummelnd, nervte der Kontrolleur derart, dass es eine Ewigkeit dauerte den Fahrschein in der Tasche zu finden. Sie hasst solche Situationen, in denen sie das Gefühl hat, dass alle Leute nur auf sie achten und sie im Mittelpunkt eines hämisch mitleidigen Interesses steht.

Im Büro stellte sie fest, dass die heute benötigten Unterlagen noch zu Hause lagen und sie in der Hetze den falschen Ordner eingesteckt hatte. Also nochmals ein Kopieorgie von zwei Stunden, um in der Mittagspause mitgeteilt zu bekommen, dass der Termin für heute doch verschoben wurde.

Kurz vor Arbeitsschluss dann die Anfrage vom Chef, ob die bestellten 80cm Seile für den Kunden XY schon in der heutigen Lieferung waren. Mist, die hatte sie noch nicht mal angefordert. Einfach vergessen.

Damit war der Tag endgültig für sie gelaufen und sie schaltete in den Slow-Motion-Status. Keine Hektik mehr, keine Aufregung mehr über nix. Gelassen den Pc ausgeschaltet und im Sekretariat mitgeteilt, dass sie noch einen Privattermin rein bekommen hätte und deshalb früher gehen müsste.

Jetzt erst mal auf die Sonnenbank. Eine halbe Stunde zum runter Kommen und sich Sammeln. Danach in die Buchhandlung eine lange Weile rumstöbern. Am Bahnhof noch ein wenig rumschlendern, ein paar Leckerein fürs Abendbrot einkaufen und einfach entspannt die nächste Bahn nehmen.

Zu Hause etwas Leckeres kochen für alle und gemütlich beim gemeinsamen Abendessen über Gott und die Welt plaudern. Die freundliche Ansage von ihrer Seite, dass sich ab heute in dieser Dose dort auf dem Küchenbord ihr Frühstück für den jeweils nächsten Tag befände und jeder die eigene körperliche Unversehrtheit riskiere, der auch nur einen Blick, geschweige denn einen Finger in diese Richtung werfen würde.

Nach dem ruhigen Abend noch einen zweiten Wecker aus dem Keller gekramt und beide mit zehn Minuten Abstand zum Klingeln morgens eingestellt. Die Tasche fürs Büro sorgsam gepackt und die Klamotten für morgen raus gelegt. Ach ja, und sich von einem Mitbewohner den Geldschein in Münzen wechseln lassen.

Und jetzt noch ein wenig lesen und dann schlafen. Morgen wird ein feiner Tag!

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